Ich nutze mein Steam Deck viel zu selten und liebe es trotzdem
Wenn ich ehrlich bin, steht mein Steam Deck ziemlich oft einfach nur herum.
Ich habe einen guten Gaming PC. Wenn ich die Wahl habe, spiele ich große Rollenspiele lieber am Schreibtisch oder auf dem Fernseher. Ich bin auch nicht der Typ, der sich jeden Abend mit einem Handheld auf die Couch setzt und dort vier Stunden lang auf einen kleinen Bildschirm schaut, bis der Nacken aufgibt.
Gemessen an der reinen Spielzeit war das Steam Deck vermutlich keine besonders vernünftige Anschaffung.
Trotzdem bereue ich keinen Cent.
Das klingt erst einmal widersprüchlich. Vielleicht ist es das auch. Aber ein Gerät muss nicht jeden Tag laufen, um einen festen Platz im eigenen Spielerleben zu haben.
Aus dem Handheld wurde etwas völlig anderes
Ich habe damals noch die LCD Version gekauft. Das war vor dem OLED Modell. Natürlich sieht das neue Display schöner aus. Ich habe aber nie ernsthaft über ein Upgrade nachgedacht. Dafür benutze ich mein Steam Deck schlicht nicht oft genug.
Was ich damals nicht erwartet hatte: Das Gerät würde meinen kompletten Blick auf Linux verändern.
Vor dem Steam Deck war Gaming unter Linux für mich immer mit einem großen Fragezeichen verbunden. Bestimmt irgendwie möglich, aber wahrscheinlich anstrengend. Dann hatte ich dieses kleine Gerät in der Hand und sah, wie viele Spiele einfach funktionierten.
Nicht alle. Nicht immer perfekt. Aber gut genug, um mir die Angst vor dem Wechsel zu nehmen.
Heute läuft auch mein Gaming PC unter Linux. Ohne das Steam Deck hätte ich diesen Schritt wahrscheinlich nicht gemacht. Schon deshalb war der Kauf für mich wichtig.
Mein kleines Emulationsmonster
Die eigentliche Heimat meines Steam Decks sind inzwischen alte Spiele.
Ich liebe es, meine Kindheit auf diesem Gerät noch einmal durchzuspielen. PlayStation 2, GameCube, Game Boy Advance und alles, was davor kam. Das Steam Deck ist für mich zu einer tragbaren Sammlung geworden.
Natürlich gibt es kleinere Retro Handhelds. Die passen besser in die Tasche und sind teilweise sogar praktischer. Ich mag aber den Gedanken, alles an einem Ort zu haben.
Ich wechsle in den Desktop Modus, richte meine Spiele ein und kann danach wieder in die normale Oberfläche zurück. Dort liegen dann meine alten Konsolenspiele direkt neben meiner Steam Bibliothek.
Ein altes Silent Hill starten, kurz etwas vom Game Boy Advance spielen oder wieder in irgendein vergessenes PlayStation 2 Spiel schauen. Genau dafür liebe ich dieses Ding.
Dazu kommen die kleineren Spiele aus meiner Steam Bibliothek. Hollow Knight fühlt sich auf dem Steam Deck wie zu Hause. Für Indies, ältere PC Spiele und den viel zu großen Backlog ist das Gerät immer noch fantastisch.
Manche Spiele warten seit Jahren in der Bibliothek. Am Rechner wirken sie plötzlich wieder wie eine Verpflichtung. Auf dem Steam Deck starte ich sie einfach mal für eine Stunde.
Das verändert mehr, als man zunächst denkt.

Bei neuen AAA Spielen wird es schwierig
Man sollte sich nichts vormachen. Das Steam Deck ist 2026 keine besonders gute Maschine für aktuelle AAA Spiele.
Es gibt immer wieder erstaunliche Ausnahmen. Manche großen Spiele laufen besser, als ich es dieser Hardware zugetraut hätte. Andere starten zwar, sehen durch starkes Upscaling aber einfach nur noch gruselig aus.
Ein Spiel gilt für mich nicht als gut spielbar, nur weil irgendwo eine Zahl von 30 Bildern pro Sekunde steht. Wenn das Bild flimmert, Figuren verschmieren und feine Details im Pixelbrei verschwinden, habe ich davon nichts.
Crimson Desert würde ich nicht ernsthaft auf dem Steam Deck spielen wollen. Bei Metal Gear Solid Delta haben mich die Upscaling Artefakte ebenfalls sofort gestört. Auch das Oblivion Remaster ist technisch schon auf stärkeren Geräten schwierig.
Dafür ist das Steam Deck nicht gemacht.
Ältere große Spiele sind eine andere Sache. The Witcher 3, Metal Gear Solid V und verschiedene Assassin’s Creed Teile können darauf eine richtig gute Zeit liefern. Auch 30 oder 40 Bilder pro Sekunde stören mich auf dem kleinen Display weniger als auf meinem großen Monitor.
Wer hauptsächlich neue Blockbuster spielen möchte, sollte trotzdem zu einem anderen Gerät greifen.

Es ist ein PC und manchmal merkt man das
Die große Stärke des Steam Decks ist gleichzeitig seine größte Schwäche.
Es ist kein geschlossenes Konsolensystem. Es ist ein kleiner PC mit einer sehr guten Spieleoberfläche.
Deshalb kann ich Emulatoren installieren, andere Proton Versionen ausprobieren, Spiele von meinem Hauptrechner streamen und das Gerät für Dinge benutzen, an die Valve wahrscheinlich nie gedacht hat.
Ich habe darüber sogar schon Gameplay umgerechnet oder Dateien von meinem Server in eine Cloud geschoben. Das dauert auf der Hardware natürlich seine Zeit. Das Steam Deck kann aber einfach im Dock liegen und die Aufgabe erledigen.
Genau solche Möglichkeiten reizen mich.

Sie bedeuten allerdings auch, dass man gelegentlich in den Desktop Modus muss. Wer mehr machen möchte als ein Steam Spiel zu installieren und zu starten, wird irgendwann Einstellungen ändern, zusätzliche Programme installieren oder ein Terminal öffnen.
Mich stört das nicht. Für jemanden, der eine komplett sorgenfreie Konsole erwartet, kann das schnell nervig werden.
Auch die Tastenkombinationen vergesse ich ständig. Würde ich das Gerät täglich benutzen, wären sie vermutlich irgendwann im Kopf. Bei mir beginnt regelmäßig das große Rätselraten.
Würde ich es heute noch kaufen?
Zum normalen aktuellen Preis würde ich das Steam Deck wahrscheinlich nicht kaufen.
Das liegt nicht daran, dass ich es schlecht finde. Ganz im Gegenteil. Es ist mir momentan einfach zu teuer.
Ich würde nach einem gebrauchten Gerät schauen, ein generalüberholtes Modell nehmen oder auf ein wirklich gutes Angebot warten. Inzwischen gibt es außerdem mehrere Alternativen, auf denen teilweise ebenfalls SteamOS läuft.
Wer eine große Steam Bibliothek besitzt, alte Spiele liebt und kein Problem mit ein bisschen Bastelei hat, bekommt weiterhin ein tolles Gerät.
Wer dagegen erwartet, die nächsten großen AAA Veröffentlichungen in guter Qualität spielen zu können, wird nicht glücklich.
Mein Steam Deck steht oft im Dock. Ich benutze es weniger, als ich beim Kauf gedacht hatte. Trotzdem hat es alte Spiele zurück in meinen Alltag gebracht, mich zu Linux geführt und mir gezeigt, wie flexibel ein Handheld sein kann.
Falls irgendwann ein Steam Deck 2 erscheint und der Preis stimmt, werde ich wahrscheinlich wieder schwach.
Nicht weil ich mein aktuelles Modell jeden Tag benutze.
Sondern weil ich inzwischen weiß, wie viel dieses kleine Ding bei mir verändert hat.